29.03.2010 In Ostbayern gibt es u.a. in Sulzbach-Rosenberg, Tirschenreuth, Landshut und auch in Lappersdorf ein soziotherapeutisches Zentrum. In Weiden befindet sich eine Tagesstätte für psychische kranke und behinderte Menschen und in Niederbayern wird über das Sozialteam STZ Landshut gerade ein Netz mit „Betreutem Wohnen in Gastfamilien“ aufgebaut. Ich besuchte deshalb gestern eine dieser Einrichtungen im Haus am Regen in Lappersdorf. Das Sozialteam betreibt Einrichtungen im Bereich der Altenpflege und im soziotherapeuthischen Bereich.
Im Haus am Regen in Lappersdorf werden in drei Wohngruppen 21 alkoholkranke Personen betreut. Eine der Wohngruppen wird beschützt geführt. Aufgenommen werden Menschen, die eine Entgiftung hinter sich haben und abstinent leben wollen. Im Haus am Regen bekommen sie Unterstützung in der Aufrechterhaltung ihrer Abstinenz und der Vorbereitung auf ein eigenständigeres Leben „Es wird bei uns sehr viel Wert auf Eigenverantwortung gelegt“, sagt die Leiterin Susanne Reichl. Daher werden alle anfallenden Arbeiten rund ums Haus auch von den BewohnerInnen selbst erledigt. Gemüseanbau im Garten, Rasenmähen, Weiseln, Putzen, Einkaufen und Kochen für die ganze Gruppe wird alles von den Bewohnern übernommen. Es gibt pro Tag und pro Person ein Essenbudget, mit dem „gehaushaltet“ werden muss. Für Ostern zum Beispiel wird vorher etwas angespart, um sich dann etwas Zusätzliches gönnen zu können. Je nach körperlichem und psychischem Zustand ist der Aufenthalt im Haus am Regen unterschiedlich lang, im Schnitt 2 bis 3 Jahre. Im Anschluss daran erfolgt meist ein Wechsel in die Außenwohngruppe. Seit Herbst vergangenen Jahres kann nach dem Auszug in eigene Wohnung als ambulante Maßnahme auch Betreutes Einzelwohnen angeboten werden mit dem Ziel irgendwann wieder völlig selbständig leben zu können.
Im Bereich der Finanzierung ist es dem Geschäftsführer Peter Weiß gerade im betreuten Wohnen wichtig, dass die Betreuungsstunden individuell festgelegt werden. Derzeit gibt es einen Schlüssel von 1:6. Es wäre aber praxisgerechter, wenn die unterschiedlichen Bedürfnisse festgehalten und im Laufe der Zeit angepasst würden, dann könnte der Betreuungsaufwand beispielsweise von 1:12 bis 1:3 variieren. „Das ist zwar für unser Personalmanagement eine größere Herausforderung, wir können aber flexibler auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse reagieren.“
Ich freue mich, dass im Haus am Regen mit Verständnis, aber auch mit klaren Strukturen und Regeln auf die suchtkranken Menschen eingegangen wird. Ihnen wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten Verantwortung übertragen und sie können somit wieder oder erstmalig lernen auf sich selbst zu vertrauen. Sie werden hier gefördert, aber auch gefordert. Die Politik steht in der Verantwortung die Rahmenbedingungen so zu schaffen, dass die Wiedereingliederung funktioniert. Die flächendeckende Facharztversorgung gehört gerade an den ländlichen Standorten dazu.