Fachkräftemangel, Bürokratiekosten und die Demographie!

Wie geht’s weiter mit der Pflege, wie gewinnen wir Nachwuchskräfte und wie sichern wir die Pflege der Hilfsbedürftigen vor dem Hintergrund des Demographischen Wandels? Die Caritas ist Träger von 60 ambulanten Pflegediensten mit 1400 Mitarbeitern und 5700 Kunden. In 51 Pflegeheimen werden 4000 Bewohner von 2800 Mitarbeitern betreut. Grund genug für die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Tanja Schweiger, mit den Vertretern des Caritas Diözesanverbandes in Dialog zu treten, um sich die Situation in der Pflege von den Praktikern schildern zu lassen.

 Nach einem kurzen Rundgang im Haus St. Bernhard in Bernhardswald und einigen Gesprächen mit den Bewohnern war man schon mitten in einer regen Diskussion. Nachdem zum Monatsersten auch zwei Auszubildende den Dienst aufgenommen haben, begann man gleich mit der Situation der Altenpflegeschüler und die teilweise Erhebung von Schulgeld.

Die Caritas betreibt selbst zwei Altenpflegeschulen, für die sie KEIN Schulgeld erhebt. Allerdings liegen diese nicht im Landkreisgebiet, so dass die Landkreis-Altenpflegeschüler auf andere Schulen ausweisen müssen, die teilweise ca. 100 Euro Schulgeld verlangen. Hintergrund ist, dass der staatliche Schulgeldausgleich nicht reicht. Die bayr. Staatsregierung hat, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, eine Ausbildungskampagne gestartet, die auch erfolgreich war. Das heisst, es gab wesentlich mehr Altenpflegeschüler als in den Vorjahren, allerding ist der Zuschuss für die Altenpflegeschulen gleichgeblieben. Dadurch stiegen die Kosten pro Schüler natürlich an, so dass viele Schulen wieder Schulgeld verlangen müssen, um kostendeckend arbeiten zu können, erklärte Tanja Schweiger. „Wir haben im Landtag unzählige Male diskutiert und mehr Schulgeldausgleich gefordert, aber die Mehrheit war immer dagegen. Wenn man schon eine Kampage startet, um Nachwuchs zu gewinnen, kann man doch nicht auf halber Strecke stehen bleiben“. Dieser Meinung schloss sich auch Dr. Seitz an: „Auch wenn wir uns derzeit eine Quersubventionierung noch leisten, erschweren uns diese Rahmenbedingungen die tägliche Arbeit.“ 

Anita Kerscher, Referentin für ambulante Einrichtungen erklärte, wir nehmen unseren Leitsatz “ wir pflegen menschlich sehr ernst.“ Das gilt auch für unserer Mitarbeiter, die wir alle nach Tarif bezahlen, auch bereits in der Ausbildung. Familienorientierung steht für uns ganz oben, das heisst, dass wir gerne auf Mütter und die Bedürfnisse ihrer Familien Rücksicht nehmen oder manchmal auch „Wiedereinsteiger“ nach der Familienzeit gern als Azubis bei uns aufnehmen. In der Pflege muss man rund um die Uhr und 7 Tage die Woche als Arbeitszeit abdecken, dann findet sich immer ein passender Dienst. Umgekehrt schätzen wir auch das Engagement und die Flexibilität unserer Mitarbeiter, die auch zu diesen Zeiten bei Krankheit eines Kollegen einspringen.

Allerdings mache ihr die Kostensteigerungen bei der ambulanten Pflege zu schaffen: „Die steigenden Spritpreise bekommen wird zum Beispiel nicht vergütet. Wir müssen jedes Jahr unsere Kostensätze neu verhandeln. Von einer automatischen Anpassung, um Tarifvertragssteigerung und Preissteigerung auszugleichen sind wir weit weg. Darüber hinaus gab es früher einen Investitionskostenzuschuss vom Staat, der mittlerweile gestrichen wurde, damit konnten wir vor allem die Fahrzeugbeschaffung finanzieren.“

 Kritisiert wurde auch der strenge Personalschlüssel und in diesem Zusammenhang die falschen Rahmenbedingungen, mit denen man als Pflegeeinrichtung zurechtkommen muss. Herr Dr. Seitz erklärte, wenn wegen Schwangerschaft und Krankheit einige Mitarbeiter ausfallen und andere durch Mehrarbeit unseren hohen Standard der Pflege garantieren, dann sollte das nicht zu Budgetkürzungen führen. Michael Drindl ergänzte, viel wichtiger sei doch, dass die Bewohner regelmäßig und immer mal wieder zwischendurch Getränke angeboten bekommen als dass am Ende des Tages in der Dokumentationsmappe ein Häkchen bei Flüssigkeitsversorgung angebracht ist.

Die bundesweiten Bürokratiekosten im Pflegebereich werden aktuell auf 2,7 Milliarden beziffert. Damit ist allerdings noch kein einziger Mensch gepflegt! Michael Drindl erklärte, seit über 20 Jahren als Einrichtungsleiter tätig. Bei uns standen früher und heute die Bewohner im Mittelpunkt. Aber heute sind wir mehr denn je mit Dokumentation und Auflagen beschäftigt, ohne dass wir merkenswert mehr Geld und somit mehr Personal bekommen haben.

Speziell für die Versorgung demenzkranker Patienten wurde die verbesserten Leistungen bei ambulant betreuten Personen positiv aufgenommen, allerdings fordere man auch eine dementsprechende Berücksichtigung im stationären Bereich.

Nachdem die gesellschaftliche Entwicklung dahin steuert, dass immer mehr Menschen ins Altenheim ziehen, brauchen wir mehr politische und gesellschaftliche Bedeutung der Pflege!

Man war sich einig, weiter im Dialog zu bleiben, da es sich hier um ein komplexes Thema handelt, das alle Menschen betrifft und das viel mehr in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Diskussion und Beachtung geraten muss.