09.03.2011 Pettendorf (ar): Jedes Jahr wird der Saal im Prössl-Bräu am Adlersberg am Aschermittwoch immer noch ein bisschen voller, denn dann laden die Freien Wähler des Landkreises Regensburg zum politischen Aschermittwoch ein. Diesmal mussten wiederum Tische und Stühle dazugestellt werden, damit die Besucher überhaupt noch ein Plätzchen finden konnten. Sie kommt eben gut an, die Mischung aus Musik, Humor, Fischessen, Starkbier und Politik.
Lang war die Begrüßungs-Liste des Pettendorfer Bürgermeisters Eduard Obermeier, denn nicht nur Bürgermeister, Kreisräte und Vorstandsmitglieder des Landkreises Regensburg waren der Einladung zum politischen Aschermittwoch gefolgt, sondern auch zahlreiche Mandatsträger aus der Stadt Regensburg und dem Umland. Auf sie warteten schmissige Reden und die humoristischen Einlagen der Schwarz-Buam. Am Thema Guttenberg kommt derzeit keiner vorbei. Bereits Obermeier, sowie auch die nachfolgenden Redner sparten dabei nicht mit Kritik und fragten sich, wieso man einen Betrüger unbedingt wieder in die Politik zurückholen wolle und das, obwohl man schon einen Ministerpräsidenten habe, der „alle fünf Minuten seine Auffassungen ändert“. Obermeier war sich zudem sicher, dass man sich bei derartigen Vorbildern nicht über die Politikverdrossenheit der Jugend wundern müsse.
Die Freien Wähler leisteten „im gesamten Land ordentliche Arbeit“ und hätten sachliche, gut recherchierte und vernünftige Argumente, war sich Obermeier sicher und vertrat die Meinung, dass man dies nun in Zukunft noch öffentlichkeitswirksamer publizieren und platzieren müsse. Mit Grüßen vom Aschermittwoch aus Deggendorf und der Feststellung, dass es sich um die zweitgrößte politische Veranstaltung an diesem Tag gehandelt hatte, begrüßte MdL Tanja Schweiger die Anwesenden. Sieführte diese hervorragende Resonanz auf die Bürgernähe und die Besetzung der „richtigen Themen“ zurück. Durch die zunehmende Globalität und die  Internationalisierung gewinne die Regionalität mit dezentralen Strukturen eine noch größere Bedeutung, konstatierte Schweiger  und sprach sich für eine Stärkung der Kommunen und die Erhaltung der Versorgungssicherheit vor Ort aus. Die Stärkung der regionalen Kreisläufe, die anhand von Beispielen  aus den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Schulen, ärztlicher Versorgung und Energieversorgung konkretisiert wurden, lagen ihr besonders am Herzen. Angesichts der Tatsache, daß bereits im ersten Halbjahr 2011 elf Milliarden Kilowatt Strom exportiert werden, rechnete die Bankerin den Anwesenden vor, dass somit sechs Atomkraftwerke geschlossen werden könnten. Hinsichtlich der regenerativen Energien plädierte sie, die jeweiligen Formen den regionalen Umfeldbedingungen anzupassen und eine Umsetzung mittels Bürgergenossenschaften anzustreben.
„Wir besetzen nicht nur die richtigen Themen, wir sind auch so frei und erinnern die Staatsregierung an ihre Versprechen“, wies Schweiger auf den bei der CSU in Vergessenheit geratenen Passus aus dem Koaliationsvertrag, in dem die Einführung eines kostenfreien Kindergartenjahrs manifestiert wurde. Demokratie lebe von Vielfalt, konstatierte die Abgeordnete und begründete diese Aussage unter anderem mit dem Hinweis „Weil die Herausforderungen so groß sind, dass sich alle politisch Verantwortlichen damit auseinandersetzen müssen, und nicht nur eine Partei, die glaubt, aufgrund der jahrelangen absoluten Mehrheit, sei sie die einzige, die weiß, was gut ist für Bayern.“ Nach dieser Feststellung kritisierte sie den Politikstil in Bayern. Alle Anträge von der Opposition würden generell abgelehnt und später als eigene Anträge wieder vorgelegt werden, berichtete sie aus ihrem politischen Alltag und meinte lapidar: „Im Abschreiben ist die CSU ganz groß...“. Eine Feststellung, die später den Kreisvorsitzenden Harald Stadler veranlassten, die Frage zu stellen, ob angesichts dieser Plagiate nicht auch eine ganze Reihe von Landes- und Kommunalpolitikern zurücktreten müssten.
Die Schulpolitik spielte an diesem Abend eine nicht unbedeutende Rolle. Schweiger konnte hier wiederum mit einem Rechenexempel aufwarten. Allein von den 400 Mio Euro  Zinsen, die für die 10 Mrd. Euro für die BLB jährlich fällig sind, könnte man 7000 Lehrer bezahlen, hatte sie errechnet. Mehr Lehrer, kleinere Klassen und mehr Zusatzunterricht lauten die konkreten Forderungen der FW. Josef Bezold ging in seinem Bericht aus der Kreistagspolitik konkret auf die schulischen Probleme im Landkreis ein und stellte in diesem Zusammenhang gleich eingangs fest, dass man beim Verhältnis zwischen Landrat Mirbeth und OB Schaidinger nicht gerade von einer Liebesbeziehung sprechen könne und kritisierte die fehlende regionale Denkweise auf beiden Seiten .Bezüglich der Schulsituation wünschte sich der Kreisrat  Lösungen im Sinne der Schüler. Eine FOS in Regenstauf sei dies angesichts der  dezentralen Lage sicher nicht, war sich Bezold sicher und plädierte für einen Standort in Regensburg oder aber zumindest am Stadtrand, da man Schulpolitik nicht mit Strukturpolitik verwechseln dürfe. Als Etikettenschwindel umschrieb man die Mittelschule, übte harsche Kritik an der Schulreform und an der Schülerbeförderung in überfüllten Schulbussen,. Im Übrigen ging Bezold auf die Verkehrsanbindungen und die Situation „Hemauer Krankenhaus“ ein.
Sehr dynamisch stellte sich an diesem Abend der erste Vorsitzende der Jungen Freien Wähler Sebastian Hopfensberger vor. „Die Freien Wähler brauchen Nachwuchs“, konstatierte er  und appellierte an die Mandatsträger ihre Erfahrungen an die politischen Nachwuchskräfte weiterzugeben, damit man Seite an Seite die Politik der Zukunft in Stadt und Landkreis Regensburg gestalten könne. „Ich wünsche mir  mehr Gemeinderäte, Bürgermeister und Politiker mit Ecken und Kanten, nicht so angepasste Leute“, artikulierte Kreisrat Josef Bezold sein großes Anliegen, nachdem er angesichts der „Halbzeit“ gemahnt hatte, sich langsam für die kommenden Kommunalwahlen zu rüsten. Seine Kandidatin für die Landratswahlen heißt dabei Tanja Schweiger. Für eine gute und rechtzeitige Aufstellung bis zu den kommenden Kommunalwahlen sprach sich ebenfalls der Kreisvorsitzende Stadler aus.