14.03.2011 Regensburg: Margit Wild und Tanja Schweiger anlässlich des Josefstags 2011 in der Lernwerkstatt der KJF

„Kennen wir uns?! – Jugend braucht Perspektive“:

Um benachteiligten jungen Menschen helfen zu können, muss man sie erst einmal wahrnehmen – man muss sie kennen. Mit dem Motto „Kennen wir uns?!“ fragt der Josefstag 2011 gezielt nach den Jugendlichen, die die Gesellschaft aus dem Blick verloren hat. Anlässlich des fünften bundesweiten Josefstags hat deshalb die Lernwerkstatt der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. die Politikerinnen Tanja Schweiger (FW) und Margit Wild (SPD) eingeladen. Gemeinsam mit KJF-Direktor Michael Eibl begaben sie sich auf einen Streifzug durch die Ausbildungseinrichtung, um junge benachteiligte Menschen kennenzulernen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und Näheres über deren Situation und die Leistungen der Lernwerkstatt zu erfahren.

Seit vielen Jahren beteiligt sich die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. mit der Lernwerkstatt am bundesweiten Josefstag. Der Aktionstag bietet den Einrichtungen der Jugendberufshilfe und Jugendsozialarbeit in katholischer Trägerschaft die Möglichkeit gezielt die Leistungen der katholischen Träger und Einrichtungen für die Integration benachteiligter Jugendlicher hervorzuheben.

Welchen gesellschaftlich wertvollen Beitrag Einrichtungen wie die Lernwerkstatt leisten können, zeigt die eindrucksvolle Vermittlungsquote von 80% im vergangenen Jahr. Welche enorme Leistung dahinter steckt, lassen die Lebensgeschichten und Einschränkungen der jungen Menschen nur allzu deutlich werden. Aufgrund einer Lernbehinderung, einer psychischen Erkrankung, Verhaltensauffälligkeiten oder Störungen im sozial-emotionalen Bereich brauchen sie mehr Zeit und besondere Unterstützung um ihren Weg ins Berufsleben zu finden. Schulabbrecher, junge Leute mit Migrationshintergrund, einer Suchterkrankung, immer häufiger auch Jugendliche nach Aufenthalten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie finden in der Lernwerkstatt ebenso geeignete Rahmenbedingungen, um sich beruflich zu orientieren, auf einen Beruf vorzubereiten oder eine Ausbildung zu absolvieren. „Viele Jugendliche kommen aus der kompletten Verweigerung“, verdeutlicht KJF-Abteilungsleiter Johannes Magin. Vor dem Hintergrund von etwa 8.200 SchülerInnen ohne Schulabschluss in Bayern stellte Tanja Schweiger heraus, wie dringend notwendig es sei, präventive Maßnahmen für benachteiligte junge Menschen bereits schon im Schulalter zu ergreifen. „Die jungen Menschen brauchen intensive Maßnahmen schon sehr viel früher“, so Schweiger.

„Was die Jugendlichen von uns bekommen, das ist mehr Zeit und mehr Pädagogik“, so KJF-Direktor Michael Eibl. Deshalb seien die Auszubildenden in der Lernwerkstatt gut aufgehoben. „Mit Maßnahmen wie der Lernförderung, dem Training sozialer und lebenspraktischer Kompetenzen gelingt es, sie in der Ausbildung zu stabilisieren und auf den Arbeitsmarkt zu bringen.“ Als Netzwerkpartner unterstützen Jugendhilfeeinrichtungen wie das Kinderzentrum St. Vincent oder das Thomas Wiser-Haus, Kliniken und etwa 200 Unternehmer aus der freien Wirtschaft die Bemühungen der SozialpädagogInnen, PsychologInnen und MeisterInnen aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Kostenträger sind die Bundesagentur für Arbeit, die Jobcenter und die Jugendämter,  ergänzt Hubert Schmalhofer, Leiter der Lernwerkstatt .

21 Berufe in 12 Handwerks- und Dienstleistungsbereichen können in der Lernwerkstatt erlernt werden. Derzeit befinden sich 170 Jugendliche in Ausbildung, weitere 100 in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen oder in der Berufsorientierung. Bei ihrem Rundgang durch die Werkstätten der Einrichtung lernten die Politikerinnen Auszubildende aus den Bereichen Lagerlogistik, Recycling, Metall, Holz, Friseur, Hauswirtschaft und Küche kennen. In der Schreinerei fertigten Tanja Schweiger und KJF-Direktor Michael Eibl, angeleitet von den Auszubildenden Jessica Lehmberger und Alfred Steinberger sowie deren Ausbilder und Schreinermeister Tobias Eckmann ein Brettspiel. Margit Wild und KJF-Abteilungsleiter Teilhabeleistungen Johannes Magin zupften und färbten Strähnen an Modellköpfen.

Am Ende ihres Besuchs in der Lernwerkstatt zeigten sich die Politikerinnen beeindruckt von der Bandbreite des Angebots, der geleisteten Arbeit und letztendlich vom Erfolg der Lernwerkstatt.

Text: Christine Allgeyer, kjf