Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten mit den Jägern

25.09.2011 Schierling: Die traditionelle Radltour der Bund Naturschutz Ortsgruppe Schierling fand in diesem Jahr vor der Haustüre statt. Zusammen mit dem Jagdpächter Jürgen Matejka und mir, radelte die Gruppe die zahlreichen hochinteressanten Grundstücke des BN ab. Vorstand Robert Hierlmeier verwies auf die Besonderheiten der wunderschönen Au hin. Sie sei geprägt durch die landschaftliche Weite mit den zahlreichen Wiesen, mit dem Vorkommen zahlreicher seltener und in ihrem Bestand gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. Storch und verschiedener wiesenbrütender Vogelarten oder der Trollblume.
Dies war nicht immer so. Die Au war ursprünglich ein Auwald, der durch Menschen vor Jahrhunderten gerodet wurde, um Wiesen anzulegen, verbunden mit einer "sanften" Entwässerung. Dadurch entstanden artenreiche, bunte Wiesen, die Heimat boten für eine vielfältige Flora und Fauna. Dieser Zustand dauerte an bis zur Intensivierung vor rund 50 Jahren. Die Flurbereinigung in den 80er Jahren brachte massive Einschnitte für die Au, wie eine großflächige Grundwasserabsenkung. Die ursprüngliche Planung wurde aufgrund des massiven Widerstands des BN abgeschwächt und geändert. Dadurch wurden als Ausgleich Biotopverbundsystem geschaffen, deren Kernbereiche durch Gräben und verbindende Wiesenstreifen vernetzt wurden. Nach der Flurbereinigung kam es auch aufgrund unzureichender Pflege der Gräben zu einem massiven Aufkommen von Gehölzen, die den Lebensraum der Wiesenbrüter bedrohen, erinnerte sich Hierlmeier. Der BN begann daraufhin mit eigenen Gehölzpflegemaßnahmen und konnte weitreichende Verbesserungen beim Landschaftspflegeverband anregen. Dadurch nimmt in den Folgejahren die Zahl der Wiesenbrüter wieder zu. Auch jagdliche Maßnahmen fördern den Bruterfolg, erklärte Jürgen Matejka. Nachdem der BN bereits zahlreiche Grundstücke durch die Initiative von Ernst Sendtner besaß, erwarb der BN 2005 weitere 15 ha Biotopverbundflächen, mitfinanziert durch Spenden von Schierlinger Bürgern. Die Pflege dieser Flächen übernahm ein spezialisierter ortsansässiger Landwirt aus Eggmühl. Der BN sei bemüht, bei der Pflege seiner Flächen auch jagdliche Interessen zu berücksichtigen indem möglichst nicht alles gleichzeitig gemäht würde.
Als eine besondere Situation bezeichnete Hierlmeier den Kernbereich bei Kraxenhöfen: Mit seinem Bohrstock holte er eine Probe aus dem schwarzen Moorboden. Die uralten Ablagerungen der Laaber, durchzogen mit tonig-lehmigen Lagen, interessierten besonders Tanja Schweiger. „Erfreulich, dass gerade keine Moorleiche angestochen wurde“, scherzte Rudi Eisenhut und erinnerte daran, dass genau hier vor 202 Jahren die Schlacht von Eggmühl tobte. Moore wären wichtig für den Klimaschutz, meinte Hans Straßer. Bei deren Zerstörung oder Entwässerung würde das Klimagas Methan freigesetzt, ein vielfach stärkeres Traubhausgas als Kohlendioxid. Besonders freute sich Martina Kümpfbeck über die Blumenvielfalt, da sie als Lehrerin für Gartenbau die Blumen auch alle kannte.
Als weitere Station der Tour nahm man den Erlbach bei Laichling auf. Durch einen nicht genehmigten Feldweg unmittelbar am Ufer, den man erst beim Neubau der Kreisstraße gebaut habe, kam es zu einer massiven Verschlechterung des ökologischen Zustands, was im totalen Widerspruch zur Forderung der EU Wasserrahmenrichtlinie stünde, außerdem seien Probleme durch den Biber abzusehen.
Als letzte Station fuhr man zum „Roten Berg“. Dort zeigte der Jagdpächter Jürgen Matejka eine von ihm für das Wild angelegte Blumenwiese am Rand einer gemeindlichen Hecke, die teilweise noch in der Blüte stand. Ein wunderbares Beispiel für eine ordentliche Hege und Pflege kombiniert mit Naturschutz, meinte Matejka. Allerdings zeigte er sich überrascht, dass diese Fläche wohl dem geplanten Gewerbegebiet an der Südabfahrt zum Opfer fallen wird. Diese überdimensionierten 30 Hektar würden vom BN ohnehin abgelehnt. Auch die Bürgerliste habe dagegen gestimmt, meinte Straßer.
Am Ende, bei der obligatorischen Einkehr im Bräustüberl, betonten sowohl der BN wie die Jäger, dass es viele gemeinsame Betrachtungen und Beurteilungen über die Erhaltung der Natur in unserer Heimat gebe und diese die durchaus vorhandenen Differenz überrage. Ziel sei es, meinte Matejka, gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Artenvielfalt im Schierlinger Bereich zu erreichen. Dabei sollte auch der Versuch unternommen werden, die Schierlinger Fischer „mit ins Boot zu nehmen“.  Eine derartige Zusammenarbeit dürfte in Bayern oder gar in Deutschland selten sein. „Wir können in Schierling eine Vorbildfunktion erreichen wenn wir nicht ständig gegeneinander sondern aufeinander zugehen“ meinte Matejka.
Auch deshalb freute ich mich über die gemeinsame Fahrt und musste zugeben, viel über die Aulandschaft gelernt zu haben. Die Naturschützer und die Jäger haben eine hohe Schnitmenge und das gleiche Ziel.