Drucksache Nr. 16/13146
Bezugnehmend auf meine Anfrage zum Plenum vom 23. Januar 2012 (Drs. 16/11062) frage ich die Staatsregierung, welche Fehler bzw. technischen Mängel lagen vor (technische Veränderung, Piston, Laderast, Schaft), die dazu führten, dass 18 Prozent der Großböller und 15 Prozent der Handböller die Wiederholungsprüfung nicht bestanden haben und wodurch unterscheiden sich die Anforderungen an einen Böllerschützen von den Anforderungen an einen Waffenbesitzer?

Antwort des Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
Das den Beschussämtern übergeordnete Landesamt für Maß und Gewicht hat folgende Ursachen, Fehler oder technische Mängel als Grund für das Nichtbestehen der Böllerprüfung mitgeteilt:

1. Generelle Ursachen:
• unsachgemäße oder nicht durchgeführte Instandsetzung,
• Ab- bzw. Umänderungen ohne erneute Beschussprüfung,
• mangelhafte Pflege und Wartung.

2. Ursachen bei Handböllern:
• Defekte Sicherheitsraste,
• Defekte Abzugsraste,
• Lahme oder gebrochene Schlagfeder,
• zu leichtgängiger Abzug,
• zu großer Zündkanal bzw. ausgebrannter Zündkanal (lt. Gesetz 2 mm),
• Pistonblock ausgetauscht und nicht beschossen.

3. Ursachen bei Salutkanonen:
• ausgebrannte Kartuschenlager,
• Kartuschen
- defekt, korrodiert,
- zu geringe Wandstärke,
- mangelhafter Zündhütchensitz,
- Zündversager, Durchblaser,
- geschweißte Kartuschen,
- Vorlage von geschossenen, aber nicht beschossenen Kartuschen.
• Auslösemechanismus:
- defekte Abzugs- bzw. Sicherungseinrichtung,
- fehlerhafter Schlagbolzen,
- fehlerhafte bzw. keine Rückholfeder.
• Verschlussmechanismus:
- undicht,
- verschlissene Verriegelung.

4. Ursachen bei Standböllern und Vorderladerkanonen:
• zu große, ausgebrannte Zündkanäle (max. zulässig 2mm),
• Auslösemechanismus:
- defekte Abzugs- bzw. Sicherungseinrichtung,
- fehlerhafter Schlagbolzen.
• Zündvorrichtung:
- defekt,
- mangelhafter Zündhütchensitz,
- Zündversager, Durchblaser,
- Vorlage von geschossenen, aber nicht geprüften Zündvorrichtungen.

Der Unterschied bei den Anforderungen beruht darauf, dass der Besitz von Schusswaffen durch das Waffenrecht streng reglementiert ist. Hierfür liegt die Zuständigkeit beim Bundesministerium des Innern. Der Besitz von Böllern im Rahmen des bayerischen Brauchtums stellt wesentlich geringere Anforderungen:
Mindestalter 21 bzw. in Ausnahmefällen 18 Jahre. Körperlich und geistig gesund. Bei der für den Wohnsitz zuständigen Verwaltungsbehörde (in Bayern Landratsamt, kreisfreie Stadt oder Kreisverwaltungsreferat) ist eine sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung zu beantragen. Wenn diese Bescheinigung vorliegt, kann bei einem anerkannten Lehrgangsträger an einem Lehrgang zur Erlangung der Fachkunde teilgenommen werden. Dieser Lehrgang schließt mit einer Prüfung und dazugehörigem Zeugnis vor dem Gewerbeaufsichtsamt ab. Mit diesem Zeugnis kann bei der zuständigen Verwaltungsbehörde die Erlaubnis nach § 27 des Sprengstoffgesetzes (SprengG) beantragt werden. Die Erlaubnis ist in der Regel für fünf Jahre gültig, dann sollte rechtzeitig vor Ablauf die Verlängerung um jeweils weitere fünf Jahre beantragt werden.
Das Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hat zur Erläuterung ein Handbuch „Sicherheitsregeln für Böllerschützen“ herausgegeben: http://www.verwaltung.bayern.de/egov–portlets/xview/Anlage/3977076/SicherheitsregelnfuerBoellerschuetzen.pdf